Stack
Stapeln tritt in den Schatten eines, seit Jahrtausenden genutzten „Mittels zum Zweck“ und beginnt der Mittelpunkt einer eigenen Ästhetik zu werden.
Die Definition sagt das Stapeln rein dem Zweck der Aufhäufung dient. Ein trockener, wenn auch logischer Ansatz, dem man so durch die Designsprache und unserem heutigen Verständnis von stapelbaren Objekten folgen kann. Es wirft sich jedoch die Frage auf, ob sich hinter diesem, so simpel und einfach zu erläuternden Begriff, noch mehr verbirgt. Stapeln kann eine eigene Sprache sein und sollte nicht mehr nur als eine reine Funktion gesehen werden. Warum?
Es scheinen nur Dinge stapelbar zu sein, bei denen es Sinn macht. Was ist das für ein Sinn?
Jeder hat mindestens hundert Dinge in seinem Besitz, die stapelbar sind. Stapeln ist in unserem Leben so allgegenwärtig, wie die Dusche in unseren Badezimmern. Stapeln ist die Sprache, die jede Tasse, jeder Teller, jedes Glas und auch einige unsere Stühle, Tische und Dosen sprechen. Wir hinterfragen stapeln nicht, weil es zu einem ständigen Begleiter geworden ist. Wenn man oberflächlich darüber nachdenkt, woran es liegt, dass so viele Dinge in unserem Leben stapelbar sind, dann liegt die Antwort auf der Hand. Platz! Wer seine Tassen, Teller und Stühle stapeln kann, der spart in erster Linie Raum für andere Dinge.
Also ist der Sinn von Stapeln Platz einzusparen?
Ja! Stapeln erfüllt den Sinn, Objekte auf geringem Platz zu großen Mengen anzuhäufen und sie so zu verstauen. Das funktioniert im kleinen Format in unseren Küchenschränken, aber auch im großen Format in der Industrie. Warum unsere Haushaltprodukte stapelbar sind soll nicht unbedingt uns, sondern der Industrie zugutekommen. Man stelle sich einen Container vor, in dem, fein säuberlich aufgereiht, Gartenstühle für den Versand stehen. An die dreißig Stück würden so ohne Probleme in den Container passen. Sinnvoll wäre das jedoch nicht, denn all der Platz über den Stühlen wäre Leerraum und könnte nicht genutzt werden. Das kostet nicht nur den Hersteller der Stühle, sondern auch den Konsumenten eine Menge, denn der Container kostet, auch wenig beladen, Geld, das bezahlt werden muss. Stapeln macht also Sinn, denn gestapelt passt in den Container das zehnfache an Stühlen und so würden die Stühle nicht nur um das zehnfache im Preis sinken, sondern der biologische Fußabdruck minimiert. Selbst wir, als Konsumenten, profitieren, da wir die Stühle nun perfekt in unsere Schuppen und Abstellkammern verstauen können. Eine Win-Win-Situation für alle, die mit einem Produkt zu tun haben. Klingt nach einer guten Sache, oder?
Die Kehrseite des Stapelns?
Es gibt beim industriellen Stapeln auch eine schlechte Seite, die man an dieser Stelle wohl nicht außer Acht lassen darf. Solange wir als Konsumenten einen Sinn im industriellen Stapeln haben, gewinnen wir bei uns zuhause eine Menge Platz. Erst wenn das Sparen von Geld zu einem notwendigen Zwang für den Designer wird, auch wenn das Produkt für den Endkonsonanten nicht stapelbar sein muss, wird stapeln zu einem Übel, dem wir uns kaum bewusst sind. Hiermit sind vor allem Produkte gemeint, die in den meisten Haushalten nur einmal vorkommen und dessen Stapelbarkeit für uns keine Notwendigkeit bietet. Ein schönes Beispiel ist hier der BOLMEN Hocker von IKEA. Dieser Hocker, den die meisten wohl einmal in ihrem Leben besessen haben, ist perfekt zum Stapeln, aber wann haben Sie diesen Hocker das letzte Mal gestapelt? Hier stößt man auf die zuvor erwähnte Kehrseite des Stapelns, denn Stapeln folgt verbindlichen Normen, die unter allen Umständen eingehalten werden müssen und diese zwingen einem Produkt eine Form auf, die sie auschlaggebend verändert. Das Produkt in unserem Besitz spricht nun eine Sprache, die es in unseren Haushalten nicht mehr sprechen muss und trotzdem hat diese, aufgezwungene Funktion, die Form des Objektes so sehr geprägt, dass es schwerfallen sollte, uns diese Form ohne die Stapelbarkeit vorzustellen. Was ist damit gemeint und welchen Normen folgt das Stapeln als Funktion?
Stapeln als Funktion?!
Nicht alles ist stapelbar, das lernen wir schon als Kinder. In unserer Entwicklung lernen wir welche Dinge wir stapeln können und welche Dinge scheinbar unmöglich aufeinander zu schichten sind. (Zu diesem frühkindlichen Lernen im folgenden Text mehr.) Wir wissen mit dem älter werden, dass es uns nur Zeit und Mühe kosten würde, wenn wir versuchen eine Kugel auf eine andere zu schichten. Diese Erkenntnisse in unserer Kindheit bilden in unserem weiteren Leben ein Verständnis für das Schichten von Gegenständen. Was ist es also, das wir lernen? Stapeln hat mit vier Dingen zu tun: Gewicht, Textur, Form und Härte. Bevor wir als Kinder anfangen zum dritten Mal eine Kugel auf eine andere schichten zu wollen, fangen wir an das Objekt in unseren Händen auf diese vier Dinge zu prüfen. Ist die Kugel weich oder hart? Ihre Form gerade oder gebogen? Ihre Textur griffig oder glatt? Wohin verteilt sich hier Gewicht? Erst wenn wir anfangen zu begreifen welche Eigenschaften die Kugel in unseren Händen hat, können wir anfangen zu verstehen, wieso die Kugeln immer wieder umfallen. Als Erwachsene wissen wir das ein Objekt immer der Schwerkraft ausgesetzt ist, die es stetig zu Boden zieht. Diese Schwerkraft macht das Stapeln erst möglich. In der Schwerlosigkeit ist stapeln unmöglich. Die Schwerkraft beginnt, wenn man zwei Objekte richtig aufeinanderlegt, die Objekte zueinander zu ziehen. Das ist einfach, solange die Objekte die richtigen Bedingungen erfüllen. Eine weiche Kugel kann man aufeinanderstapeln, auch eine sehr raue Textur oder eine leichte Unwucht würde das Stapeln erleichtern. Einem Erwachsenen muss man nicht sagen, dass man perfekt polierte Kugeln, die keine gerade Fläche bieten und unnachgiebig scheinen, nicht ohne weiteres auf eine andere stellen kann. Ein Kind muss dies noch lernen und wird das im Laufe seines Lebens auch immer wieder tun, denn gerade Kinder haben am Stapeln, von allen möglichen Fundstücken und Spielsachen, eine Menge Freude. Erst wenn ein Mensch begriffen hat, wo der Schwerpunkt eines Objekts und wie seine Eigenschaften sind, wird er in der Lage sein zu stapeln.
Muss stapeln immer einen Funktionalen Sinn haben?
Industrielles Stapeln und spirituelles Stapeln, unterschieden wird in diese zwei Arten der Stapelbarkeit. Während sich industrielles Stapeln eher auf die Funktion und den Sinn von Platz- und Zeitgewinnung fokussiert, legt spirituelles Stapeln einen anderen Schwerpunkt. Stapeln wirkt beruhigend auf unseren Körper, es bringt unsere Gedanken zum Stillstand und zwingt uns, uns auf nur eine Sache zu fokussieren und das ist die Koordination aus Auge und Hand. So komplexer die Aufgabe, umso mehr verschärft sich der Fokus und die Konzentration, die wir in unsere Bewegungen fließen lassen. So sind das Stapeln und Wegräumen von Tassen weniger beruhigend, wie das Stapeln von Steinen oder ähnlichen umwuchtigen Gegenständen. Es gibt Menschen, die diese Kunst des Stapelns soweit perfektioniert haben, dass es so scheint, als könnten sie die Schwerkraft hinter sich lassen und die Gegenstände übereinander schweben lassen. Ein Meister in dieser Kunst ist Wang Yekun, der Chinese stapelt Fahrräder auf Flaschen und Nähmaschinen auf Kugeln und er lässt diese Kunst dabei so einfach aussehen, als würde er Tassen aufeinander in ein Regal räumen. Sein Stapeln ist dabei kein Zauber, sondern die Perfektionierung einer Fähigkeit, die wir als Kinder lernen und verstehen. Die Ruhe und der Fokus den Stapeln braucht, kann man eine Art der Meditation und Selbstfindung nennen, die manchen Menschen dabei helfen kann runter zu kommen und sich auf das hier und jetzt zu fokussieren. Es geht dabei nicht um aufräumen, wegräumen oder Platz schaffen, es geht einzig und alleine um das Schichten von Gegenständen. Prinzipiell werden wir so wieder Kinder, die Stapeln auch nicht als Funktion, sondern als einen spannenden und komplizierten Zeitvertreib nutzen.
Was kann Stapeln noch sein? Stapeln als Ästhetik?!
Gibt es bei dieser Jahrhunderte alten Technik, die so ausgreift und sinnvoll erscheint noch einen anderen Weg, der weder dem spirituellen noch dem funktionellen Sinn folgt? Ja! Und Nein! Bisher gibt es keine (oder so wenige, dass sie nicht auffindbar sind) andere Definition von Stapeln, die in unserem Leben Einzug gefunden hat, dabei gibt es noch einen Weg den Stapeln einschlagen kann. Ästhetik oder bei Definition: Die Lehre von Schönheit ist dem Menschen wichtig. Einen Sinn für Schönheit und Symmetrie ist uns evolutionär in die Wiege gelegt und kann auch dem Stapeln eine neue Sprache verleihen. Veränderung ist in unserer heutigen, schnelllebigen Welt wichtig geworden. Egal ob im Job, bei der Kleidung oder dem Einrichten unserer Wohnungen wollen wir von Zeit zu Zeit eine Veränderung. Diese Veränderung zahlt leider nicht nur der Geldbeutel, sondern auch der Planet, den wir Zuhause nennen dürfen. Interior alle drei Jahre zu wechseln ist aufgrund der eben genannten Gründe, weder sinnvoll noch zeitgemäß. Wäre es nicht eine tolle Idee, wenn unsere Möbel aus verschiedenen Modulteilen bestehen, die zu neuen Formen zusammengesetzt werden könnten? Einige Designer haben angefangen genau diese Idee zu verfolgen und auch das Stapeln kann bei dieser Wendung im Interior-Bereich eine neue Rolle einnehmen. Was ist, wenn wir ein Möbelstück designen könnten, das mit der Wohnung, dem Menschen oder den Umständen wächst? Ist es nicht langsam Zeit das Stapeln seine eigene, auf den ersten Blick funktionslose, Ästhetik bildet?
Stapeln als eigene Sprache
Stapeln ist bisher nur ein Add-On. Eine Funktion, die zu einem bestehenden Design hinzugefügt wird. Bei der Leuchte, die ich designe, soll es jedoch keine hinzugefügte Funktion sein, sondern der Mittelpunkt des Designs. So mehr man stapelt, um so größer und vielleicht auch schöner wird die Leuchte. Die Leuchte macht nicht mehr oder weniger Sinn, wenn man vier oder sechs Modulteile aufeinanderschichtet, sie verändert einfach nur ihr Aussehen. So werden nicht mehrere Produkte aufeinandergestapelt, um Platz zu schaffen, sondern bei jedem Hinzufügen eines Teils, entsteht ein neues Produkt, mit einer anderen Form, das seine eigene Ästhetik erzähle darf. Stapeln tritt so aus dem Schatten eines, seit Jahrhunderten genutzten „Mittels zum Zweck“ und beginnt der Mittelpunkt einer eigenen Ästhetik zu werden.
Stack besteht aus einem Basiselement und mehreren Modulteilen. Das Basiselement bildet der Sockel, auf den die Modulteile gestapelt werden können. Der Sockel besteht aus einem gefrästen, rotationssymmetrischen Zylinder, der aus einem beliebigen verleimten Holzblock hergestellt wird. In den Sockel wird eine LED des Typs E27 eingeschraubt. Je nach Höhe der gestapelten Modulteile passt sich das Leuchtmittel in der Höhe an. Die Modulteile bestehen aus zwei verschiedenen Porzellan-Schirmen, die aufeinandergestapelt werden können. Das Abschlussstück, also der letzte Schirm, der auf Stack gelegt wird, ist ein geschlossener Körper, während die anderen Teile eine Öffnung haben, durch die das Leuchtmittel geführt werden kann. Stack kann in Höhe und Größe variieren. Der Sockel hat jedoch eine gleichbleibende Höhe von 80 mm in der Höhe und einen Durchmesser von 20 mm.



