Land
„Sieh zu dass Du Land gewinnst!“
FOTOS: JAN OBORNIK
Land ist ein körperbezogenes Objekt, dessen Aufgabe es ist, Samen und Wasser auf einem Feld zu verteilen. Dabei werden die Porzellangefäße an Amen und Beinen befestigt. Der Nutzer muss dann lediglich über das Feld laufen, aus denen sowohl Samen als auch Wasser fließen und bestellt somit sein Feld ohne Maschinen oder mehr Aufwand. So der Gedanke.

Dieses Objekt ist in seiner Funktion dabei, aber eher als ein künstlerischer Ansatz zu sehen, der auf ein Thema aufmerksam machen soll, das mich persönlich nicht nur als Designer, sondern auch als junger Mensch beschäftigt: Wir Menschen als Bevölkerung der Städte habe verlernt, welchen Wert Nahrung hat. Das können wir uns nicht mal zum Vorwurf machen, lässt es unsere Zeit kaum noch zu, auch noch unser eigenes Essen anzubauen. Jedoch haben wir durch „Hustle-Cultur“ und technologischen Fortschritt die Verbindung zu Lebensmitteln fast gänzlich verloren. Nicht nur, dass kaum noch einer weiß, wie eine wilde Gurke mal aussah, die wenigsten machen sich Gedanken darüber, dass Obst eigentlich nicht im Winter wächst, oder Papaya und Bananen einen Kilometer weiten Weg zurück legen, bis wir sie in Europa essen können. Ohne den eigenen Arbeitsaufwand, oder die Verbindung zu jahreszeitlichen Einschränkungen, tut es weitaus weniger weh, einen Apfel mit Kitsch einfach wegzuschmeißen. Oder?




Bei der Performance-Präsentation des Objekts wurde zudem ein Gedicht geschrieben, das während der Aufführung lief. Hier ist der Text, der über dieses kontroverse Thema aufmerksam machen soll. Wer nicht lesen will, kann sich die Vorführung gerne anhören, der Link dazu befindet sich am Ende des Beitrags.
„Sieh zu, dass du Land gewinnst.“
Das Feld ist der Kühlschrank der Zivilisation, der Bauer der Kellner des Volkes und die Ernte der Treibstoff der Zukunft.Wir leben in einer Welt, in der wir diese drei Grundsteine vergessen haben, in der wir uns mit Geldern plagen, ohne uns zu hinterfragen, warum wir es überhaupt so weit schaffen konnten. Sonnten wir uns nicht noch vor hundert Jahren gebückt über den Boden, bezogen unsere Nahrung aus harter Arbeit und verbrachten unsere Ewigkeit damit, die Felder zu bestellen?Wie konnten wir vergessen, dass Esse nicht aus dem Supermarkt kommt, sondern auf Horizont aus dem Boden kommt? Wie konnten wir vergessen, dass wir ohne die Felder auf dem Land die Wand, die wir Städte nenne, niemals hätten errichten können? Wie konnten wir vergessen, dass stattdessen andere Menschen messen, wie viel Essen wir benötigen?Das Feld ist der Kühlschrank der Zivilisation, der Bauer der Kellner des Volkes und die Ernte der Treibstoff der Zukunft.Die Zukunft, unsere Zukunft, die außerhalb unseres Wissens bestimmt wird. Wer weiß denn heute noch, wie lange das Korn, zu Mehl gemahlen, perfekt abgefüllt in eine Tüte gehüllt gewachsen ist? Wer vermisst denn heute noch die Früchte im Winter, wer holt denn noch mit dem Sprinter die Möhren vom Feld, bezieht sein Geld mit dem Bestellen von Land und schaut gebannt auf das Wetter, das nicht immer der Retter einer Ernte ist? Wie sollen wir uns weiterentwickeln, wenn wir denken, dass Tomaten immer rund sind, man Kartoffeln nur im Pfund trimmt, dass Gurken nur nach Wasser schmecken, dass Fische blasser sind im Becken, dass Möhren immer gerade wachsen, dass Früchte zu Marmelade stampfen, normal ist, dass Blumenkohl einer Blume ist, das man Zucker nur im Massen frisst und das Bananen, Äpfel und Melonen von Natur aus süß und Kernlos sind.Das Feld ist der Kühlschrank der Zivilisation, der Bauer der Kellner des Volkes und die Ernte der Treibstoff der Zukunft.Wird es nicht allmählich Zeit, einen Schritt zurückzugehen? Einen Schritt zurück, der uns in Zukunft vielleicht zehn weitere nach vorne wirft? Wir haben Dächer auf unseren Häusern, wir haben das Internet, Urlaub am Wochenende und die Zeit Tanzvideos auf TikTok hochzuladen, wir haben nicht keine Zeit, kein Platz und keine Ahnung! Wir entscheiden uns dafür! Wir riskieren eine Hungersnot aus Bequemlichkeit, vergessen die Hoheit der Tortur, den Schwur zur Natur, uns um sie zu kümmern. Wir lassen uns bedienen von Bauern, die das Essen aus dem Kühlschrank der Zivilisation nehmen. Nur der Treibstoff, den wir Zukunft nennen, wird bald keiner kennen, die Felder werden vielleicht noch länger nicht brennen, aber so weiter wir uns von unserer Landwirtschaft trennen, um so wahrscheinlicher wird es, dass wir das Rennen gegen unsere Bequemlichkeit verlieren!Das Feld ist der Kühlschrank der Zivilisation, der Bauer der Kellner des Volkes und die Ernte der Treibstoff der Zukunft.Also: SIEH ZU, DAS DU LAND GEWINNST!